Mittwoch, 19. November 2008

Chengde und wie man sich den Allerwertesten abfriert

Ganze zwei Wochen war es her seitdem wir von unserem letzten größeren Trip aus Xi'an zurückgekehrt waren als mich schon wieder die Reiseflöhe bissen. Leider war ich einer der wenigen, den diese üblen Viecher befallen hatten, so dass ich nur Bartek und Dorina von mir überzeugen liessen, dass eine Fahrt nach Chengde in der Provinz Hebei genau das Richtige für einen Wochenendtrip sei.
Nur nicht den Kopf verlieren. Weder beim Busfahren noch beim Recyclen in Chengde, denn offenbar dürfen hier nur kopflose Leute ihren Müll entsorgen...

Der Lonely Planet versprach eine schnelle Anreise mit dem Bus von 2,5h und somit war die Sache geritzt. Doch wenn man eine Reise tut kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Um kurz nach sechs hab ich mich aus dem Bett gequält und nachdem sogar Bartek rechtzeitig wach war, war ich im Grunde schon guten Mutes, dass es hier einmal alles gut gehen würde. Um acht Uhr wollten wir uns mit Dorina am Busbahnhof treffen um dann direkt mit dem nächsten Bus losfahren zu können. Bartek und ich waren sogar pünktlich, doch leider dauerte es bei Dorina noch ca. weitere 40min und drei Anrufe bis sie völlig abgehetzt und genervt ankam. Insgesamt war sie schon gute 2h (!) unterwegs gewesen! Doch hatten wir vermeindlich Glück, da der nächste Bus schon in 10 min abfahren würde. Schnell die Tickets gekauft, noch ein wenig zu Essen als Proviant besorgt und schon saßen wir im Bus auf den Weg nach Chengde.

Naja, wir saßen zwar im Bus, doch die nächsten 1,5h quälten wir uns erstmal im pekinger morgendlichen Stadtverkehr von Stau zu Stau. Als wir dann endlich aus dem Geschwindigkeitsbereich von unter 20kmh herauskamen, fuhren wir allerdings direkt auf Landstraßen weiter... Da kamen mir schon die ersten Zweifel an unserer Ankunftszeit so gegen Mittag. Aber als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen kamen noch zwei wesentliche Faktoren hinzu, die nicht wirklich zum allgemeinen Wohlbefinden beitrugen. Zum einen fuhr der Busfahrer wie eine besengte Sau. Da wurde wild gehupt, rechts auf dem Standstreifen überholt, wobei keine Rücksicht auf etwailige Fahrradfahrer genommen wurde, die er einfach zur Seite hupte. Zum anderen bestand das Unterhaltungsprogramm aus chinesischen Talentshows. Und wenn chinesischer Pop nur schwer zu ertragen ist, führt chinesischer Schlager zu spontanem Hirnschmelzen. Als dann der Bus zwei Mal hinter einander anhielt, der Busfahrer anhielt, einmal um sein Gefährt herumlief, um dann unverrichteter Dinge wieder einzusteigen, war es mit meinem ohnehin schon spärlichen Vertrauen geschehen... Berechtigt, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte. Plötzlich gab es einen lauten Knall, der Fahrer stieg beherzt auf die Bremsen und wir schleuderten minimal mit dem Bus umher während uns allen das Herz in die Hose rutschte als wir mit woller Wucht in den jeweiligen Vordersitz gepresst wurden. Dem ersten Entsetzen und Geschreie im Bus folgte ein erleichtertes, wenn auch etwas verstörtes Aufatmen als klar wurde was passiert war: Ein Reifen war geplatzt, der sich jetzt bei jedem Meter lautstark bemerkbar machte. Aber alles kein Problem für die findigen Chinesen. Das Handy wurde gezückt und nach gut fünf Minuten stand ein Bus der selben Firma neben unserem und wir konnten umsteigen. Welch ein Glück, dass die Busse von Peking alle 20 Minuten losgehen, so dass wir nicht lange warten mussten.
Kalt wars die ganze Zeit!! Sogar die ersten Eiszapften sind mir in Chengde über den Weg gelaufen.

Nach einer kurzen Pause und einem Klogang, der wohl unter den qualitativ unteren 5 Prozent zu finden ist, ging es dann auch schon wieder weiter. Das Unthaltungsprogramm wurde auch im zweiten Bus nicht besser. Das Highlight war sicherlich die Tänzerin die sich während des Tanzens allerlei Tiere in den Mund steckte um mit ihnen im Mund eine semi-spektakuläre Performance auf die Bühne zu bringen. Unter den Armen Geschöpfen, die Bekanntschaft mit ihre Karies machen durften war etliche Schlangen, eine riesige beharrte Spinne (wenn ich daran denke, wird mir schon ganz anders) und ein Salamander/Eidechse/Was-auch-immer-Tier-mit-Schwanz. Das letztere fühlte sich in dem Mund der Tänzerin (und der Gesellschaft der Spinne, die sich auch noch immer im Mund befand) offensichtlich nicht besonders wohl und versuchte einige Male mit heftigem Wackeln ihrem Schicksal und den halbmotivierten Tanzeinlagen zu entgehen, was den Bewegungsprozess der Tänzerin natürlich merklich beeinflusste.

Hier die angesprochene, aber nicht ansprechende Toilette auf unserem "Rastplatz".

Nach insgeamt 5,5h kamen wir dann in Chengde an und waren uns sicher, dass wir wohl nicht mit einem Schnellbus unterwegs gewesen waren. Nachdem wir ein Hotel (ja richtig gelesen! Ein Hotel, kein Hostel!) gefunden und uns fix mit einer Nudelsuppe gestärkt hatten, wollten wir mit unserem Sightseeing beginnen. Doch leider war es schon kurz vor vier, so dass uns insgesamt nur eine Stunde blieben, da alle Sehenswürdigkeiten in der Wintersaison schon um 17 Uhr schlossen. So reichte es nur für einen kleinen und unspektakulären Tempel. Danach streunten wir ein wenig unbeholfen in der Stadt umher und stellten fest, dass es schon einen eindeutigen Temperaturunterschied zwischen Chengde und Peking gab. Ohne Handschuhe und Schal würden wir uns diese Tage wohl nicht bewegen. Highlight des Nachmittags war eine Konditorei, wo wir bestimmt eine halbe Stunde durch eine Glasscheibe den Konditorangestellten bei ihrer Arbeit zusehen konnten. Sie zauberten teilweise innerhalb von 10-15 min ansehnliche aber (wie im Glossar beschrieben) ekligsüß scheckende Kunstwerke. Ihnen bei der Arbeit zusehen zu können, war schon sehr faszinierend. Jeder hat dort eine Spezialisierung. Der eine zaubert hübsche Muster, während eine andere für die Gestaltung von verschiedenen Blumen zuständig ist.

Hier ein Blick in die Stadt... wenig spektakulär.

Konditoren bei der Arbeit. Nicht lecker, aber hübsch anzsehen.

Nach 3h in der Kälte rummaschieren, entschieden wir uns für ein warmes Restaurant, wo wir auf Barteks Bestreben das erste Mal Taube ausprobierten. Ich fand es nicht besonders lecker. Taube ist dann doch etwas zu bitter und auch die Konsistenz des Fleisches hat mir nicht besonders Gefallen. Nach insgesamt 9-12 großen Flaschen Pijiu torkelten wir als letzte Gäste aus dem Restaurant heraus, während um uns schon fleissig aufgeräumt wurde.

...wenn die Taube mit dem Fisch...

Der nächste Tag startet früh, doch trotzdem schafften wir "nur" zwei Sehenswürdigkeiten. Aber immerhin handelte es sich bei beiden um von der Unesco ausgewählte Weltkulturerbe! Zuerst begutachteten wir den Puning Tempel, der mit seinem tibetischen Baustil und dem 22m-großen und 42-ärmigen Buddha beeindruckte. Eine Band spielte jedesmal das gleiche Lied sobald ein gläubiger Buddhist Geld spendetet um vor dem Tempel beten zu dürfen und ein paar Räucherstäbchen anzuzünden. Am Ende hatten sie das Lied so oft wiederholt, so dass wir schon mitsummen konnten.
Chinesischen Pondont zu den Bremer Stadtmusikanten: Elefant, Affe, Hase und Vogel.

Tibetahische Architektur.

Aus fünf verschiedenen Holzarten, 22m hoch, 44 Arme und einfach sehr beeindruckend.



Wie diese Steinformation im Hintergrund entstanden ist, frage ich mich heute noch...

Daraufhin schlenderten wir durch den Bishu Shanzhuang, einer riesigen alten Sommerresidenz der Kaiser. Wir dachten zwar, dass sich das für den Nachmittag am besten anbieten würde, doch leider blieb es den ganzen Tag lang über kalt. So kalt, dass man seinen eigenen Atem sehen konnte und ich auch die ersten Eiszapfen diesen Jahres entdeckte. BRRRR...
Erst im Bus zurück nach Peking konnten wir uns wieder ein wenig aufwärmen. Diesmal verlief die Busfahrt dann auch unspektakulär.
Man achte nicht nur auf das Reh, dass überraschend zutraulich war, sondern auch auf die deplatzierte Telefonzelle im Hintergrund des Geheges. Wer plant denn sowas??


Insgesamt war Chengde die Reise durchaus wert, doch verstehe ich warum mir die ganzen Chinesen gesagt haben, dass sie dort nur im Sommer hingehen würden... Schon im Herbst ists einfach zu kalt!

Montag, 17. November 2008

Mein China-Glossar A-L

Um euch mal einen kleinen Insiderkatalog zu liefern, dachte ich mir, ich erstelle mal einen Glossar. Es gibt mitllerweile schon so einges, was in unseren Sprchgebrauch eingeflossen ist und damit ihr nicht nur Bahnhof versteht, wenn ich wieder in Deutschland weile, hier mal eine kleine Einführung.

Ahh... Aya!: Werfen Chinesen nach jedem zweiten Satz in eine Konversation ein. Das kann bedeuten, dass man etwas verstanden hat oder einfach nur ein Füllwort sein. Benutzen das Chinesen jedoch im Englischen hat das meistens nichts mit verstehen zu tun, denn an ihrem leeren Gesichtsausdruck sieht man ihnen meistens an, dass sie nix gecheckt haben. (Haha!)

Babyface: Für unser Baby in der Gruppe: Julian. Da muss er durch.

Der jüngste unter uns: Julian.

Baozi und Jiaozi: Sind mit Gemüse oder Fleisch gefüllt Teigtaschen und eines meiner Lieblingsgerichte hier in China. Man kann sie in etwa mit Maultaschen vergleichen, obwohl es der Sache eigentlich nicht gerecht wird.
Rainer und Julian beim Jiaozi falten bei Dorina. Und ja, die kann man auch selbst machen. Ist zwar einen Heidenarbeit und man braucht zwei sachkundige Chinesinnen um das ganze zu stemmen, doch man kann es auch selbst machen...

Chinesische Stühle: Haben unter den Weiguoren (s.u.) ordentlich zu leiden. Ich hab schon bei Lena & Co einen auf dem Gewissen und dann noch einen in unserem Vorlesungsraum. Sind einfach unter mir zusammengebrochen. Bevor jetzt alle "Fat Bastard" (s.u.) schreien (was im zweiten Fall vorgekommen ist und mich schon was angekotzt hat), sollte hier noch erwähnt werden, dass auch Matt schon zwei auf dem Gewissen hat und ebenso Julian einen, auch wenn der wohl nicht unter ihm zusammengebrochen ist.

Chou Doufu: Stinketofu. Auch eines Gerichte, was uns überall verfolgt, aber leider eines der wenigen, welches in negativer Erinnerung bleiben wird. Hat einen durchdringenden Geruch von verfaulenden Schweißsocken- und schmeckt leider auch so.

Crazy Little Fucker: Matts Bezeichnung für Tristan, den einzigen Spanier weit und breit. Ist zugebener Maßen ein spezieller Zeitgenosse, aber definitiv zum Feiern immer zu haben!

Dinning Hall No. 2: Das erste Restaurant, in dem wir in Festland China gespeist haben. Und seither neben den anderen Dinning Halls (Mensen) fester Bestandteil unseres Ernährungsplans. Hervorzuheben ist das Doppel-N im Namen, denn das gibts im Englischen eigentlich nicht (sondern es heißt Dining Hall). Somit war das auch unser erster Kontakt mit den chinesischen Versuchen der englischen Sprache nahe zu kommen.

Eine-Nacht-Liebe: Yang Yues Versuch das englische Wort "One-Night-Stand" in Deutsche zu übersetzten. Die Botschaft ist auf jeden Fall angekommen ;)
The Face, wie sie von ihren Freunden genannt wird: Yang Xue.

"Egghhh...": Das verhustete Räuspern unseres Statistikprofessors, dass er nach jeden Satz hinterherschiebt. Dies scheint ein nervöser Tick im Englischen zu sein, denn wenn er Chinesisch spricht, hört man diesen verstörenden Laut nicht.

Fat Bastard: Damit bin leider ich gemeint. Impliziert mehr als es bedeutet. Im englischen bezeichnet das jemanden, der nicht viel bzw. keinen Sport treibt. Und ich hab mich halt nicht ins Fitnessstudio aufnehmen lassen. Warum Bartek diesen Namen nicht bekommen hat, obwohl er auch nicht ins Fitnessstudio geht, ist mir allerdings nicht klar...

FUYUYUAN!: Während man in Deutschland die Bediehung mit einem netten Lächeln oder einen Winken auf sich aufmerksam macht, braucht es in China (auch ob der lauten Esskultur in Restuaruants, wo man manchmal sein eigenens Wort nicht versteht) schon etwas offensichtlicheres. Also SCHREIT man einfach "FUYUYUAN!"- "BEDIENUNG!". Was in Deutschland äußerst unangebracht erscheint, ist hier Gang und Gebe und somit notwendig um überhaupt etwas in seinen Magen zu bekommen. Weitere wichtige Essensvokabeln sind "MAIDAN!"- "RECHNUNG!" und "CAIDAN!"-"DIE KARTE!".

Ganbei!: Auf Ex! Chinesischer Trinkspruch und wird glücklicherweise nicht immer ernst genommen! Ansonsten wären wir jetzt alle als Schnapsleichen im chinesischen Meer zu finden.
Zum Wohle! Oder eben Ganbei!

German Far or Chinese Far: Über Entfernungen hab ich ja schon mal gesprochen. Und das ist, was wir immer nachfragen (müssen) wenn uns jemand Wegbeschreibungen gibt oder erzählt woher er/sie kommt. Denn während ein "German not far" so eine halbe Stunde ist, ist ein "Chinese not far" schon mal 8 Stunden.

Gong Bao Ji Ding: Leckres scharfes Hühnchengericht mit Sellerie und Erdnüssen. Gehört neben Qiezi zu den Pflichbestellungen bei den meisten Essensgängen...

Honeybunny: Unsere Bezeichnung für Lenas Freund Rafael. Diesen hatte sie noch zu Paderborner Zeiten so genannt und irgendwie ist diese Spitzname hängen geblieben.

"I'm not German!": "Ich bin nicht Deutsch!"- So fängt meistens eine Unterhaltung zwischen Bartek, unserem Quotenpolen (no offence!), und einer neuen Bekanntschafft ein. Er hat in unsere deutschen Gruppe schon einen schweren Stand und flutscht oft auch der einfachheit-halber als Deutscher durch. Das nervt ihn offensichtlich, fürht aber auch dazu, dass er bestimmt darauf hinweist nicht aus Deutschland zu kommen.
Bartek beim Fahrradkauf.

Ingwer und Koriander: Zwei Gewürze, die uns egal wo in China immer begleiten. Und das mit gemischten Gefühlen. Während wir uns alle mit dem Koriander und seinem Ekelfaktor einig sind, steht Rainer total auf Ingwer, Lena hasst den Geschmack allgemein und ich kann den Geschmack schon vertragen solange ich den Ingwer an sich nicht essen muss.

Ji Dan Guan Bing: Eierpfannkuchen. Der Pfannkuchenteig ist ca. handflächengroß und dann kommen da noch 1-2 Eier, ein Salatlatt und nach Bedarf noch ein wenig scharfe Soße drauf. Einzeln als Snack oder mehrere auch als Mahlzeitersatz. Die gibts u.a. bei einem kleinen Stand direkt vor meinem Haus. Eine Sache, die wenigstens ein-zweimal die Woche bei in den Magen kommt.

Juanybunny: Siehe Honeybunny. Nur hier handelt es sich um den Spanier Juan, mit dem sich Lena in einem hongkonger Seven Eleven eine ganze Zeit lang unterhielt und uns dabei ganz vergaß.

Keyi: Können. Hat sich bei uns als Zustimmungswort etabliert. "Wollen wir heute HotPot essen?" - "Keyi."

Kuazi: Essstäbchen und das präferierte Esswerkzeug der Chinesen. Wo ich mich in Deutschland wegen meines Unfähigkeit lange geweigert, führt hier nun kein Weg mehr vorbei: Mit Stäbchen essen! Ich will immer noch nicht sagen, dass ich die Kunst des Essen mit Stäbchen beherrsche (wobei andere sagen werden, dass ich sie auch mit Messer und Gabel nicht beherrsche. siehe "Markus isst"), doch immerhin werde ich nun satt und mir fällt nicht mehr alles mindestens einmal aus der Stäbchenumklammerung. Mittlerweile macht es auch den anderen nichts mehr aus bei Essen neben mir zu sitzen, da so einiges Mal etwas, was eigentlich auf meinem Teller sollte bei jemanden im Schoß landete oder beim Fallen um sich spritzte...
So sachkundig wie Rainer kann ich zwar noch nicht mit den Stäbchen umgehen, doch hier ein Beispiel wie man Pekingente essen sollte. Ich befinde mich auf einem guten Weg... sage ich... jeder Chinese bricht dabei wohl in Lachen aus wenn er/sie mich sieht...

Lekka!: Matts Versuch das deutsche Wort "lecker" zu sagen. Und das sagt er oft, so wie wir auch. Kulinarisch ist China definitiv ein Schlaraffenland der Sondergüte.
War zwar nicht ganz so lekka, aber immerhin konnte man mit der Taube ganz witzige Sachen machen...

Li Gong Da Xue: Das Beijing Institute of Technology. Mit dem Zusatz "Bei Men" (Nordtor) kann ich jeden Taxifahrer zu meiner Adresse schicken.

German Breakfast

Oh Mann! LECKER!
Matt kannt diese deutsche Bäckerei. Aus reinem Intersse sind Lena und ich mal dort heute zum Frühstück aufmarschiert... und das war der MEGAHAMMER! Wir suchten uns zu dritt drei verschiedene Frühstücke aus (ein großes, ein italiänisches und ein Bauernfrühstück) und mir fällt echt nichts besseres ein als zu sagen: Orgasmusverdächtig!
RICHTIGES BROT MIT KÄSE UND AUFSCHNITT UND SELBSTGEMACHTER MARMELADE!! Wer dabei nicht heiss wird, hat sich noch nicht durch 3 Monate Wabbeltoastbrot, keinen Käse und Aufschnitt und höchstens ab und zu mal ein Cornflakesfrühstück durchgebissen. Das war ein Paradies in Form eines Vollkornbrots. Es gab sogar Brötchen! Vor allem ich als Frühstücksmensch bin so richtig steil gegangen. Da haben sich die 65 Yuan so richtig gelohnt.
Wenn ich nur daran zurück denke, läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen.
Natürlich haben wir uns es nicht nehmen lassen, noch ein Brot mit nach Hause zu nehmen. So ein Laib Brot war zwar mit gut 30 Yuan schon eine etwas teurere Nummer, doch nicht sehr viel teurer als in Deutschland. Und mir wars das echt wert.

Samstag, 15. November 2008

Ein wenig Kurzweil

Hab hier einfach mal ein paar Videos hochgeladen, damit ihr auch mal ein paar bewegte Bilder zu Gesicht bekommt. Umfaßt den ganzen Chinaaufenthalt bis jetzt und sämtliche Stationen.



Shanghai während der National Holidays... Einfach voller Leute.


Große Mauer bei Huanghua. Zwar eine andere Art Mauererlebnis, aber schön.



Verkehrkreuzung in Xi'an. Da macht einfach jeder was er/sie will und eine Ampel gibts auch nicht!



Ein Stück Weg zum Einkaufszentrum. Und immer schön im Gegenverkehr fahrer. Schon eine zwar gefährliche aber aufregende Erfahrung. No Risk No Fun!



Stau auf Chinesische. Da wo eigentlich nichts mehr geht, quetschen sich noch Rollerfahrer durch den Gegenverkehr, Taxen durch den Querverkehr und Fußgängern ist das alles eh egal...



Verkehr mal anders: Auf der Stadtmauer in Xi'an. Aber wie ihr mittlerweile beurteilen könnt, ist da überhaupt nicht represäntativ.

Donnerstag, 13. November 2008

Kurioses in China II

Wie auch in Australien werde ich in dieser Rubrik einfach ein paar "Unterschiede" zu Deutschland oder allgemein westlicher Lebensweise herausstellen. Und wie man sich vorstellen kann, sind diese Unterschieder krasser und häufiger als ich sie mir in Australien jemals hätte erträumen können...

Der Verkehr
Wo soll ich da nur anfangen!? Das ist im Grunde ein Kapitel für sich. Aber ich versuche mal einen kleinen Eindruck zu vermitteln.

Hier unsere Fahrradgang. Die Fahrräder haben wir direkt in unserer ersten Woche hier gekauft und die kommen auch fleißig zum Einsatz. Allerdings auf eigene Gefahr. Vor allem als Ausländer erregt man auf einem Fahrrad schon einiges Ausehen, und wenns dann noch fünf Langnasen sind... da drehen sich schon mal einige Köpfe um.

Das wichtigste im chinesischen Verkehr ist definitiv eine Hupe, bzw. wahlweise eine Klingel. Die wird allerdings nicht so wie in Deutschland verwandt um seinen Frust kundzutun oder andere Verkehrsteilnehmer an der Ampel aufzuwecken. Hier ist es mehr ein freundliches:"Paßt mal auf, hier bin ich!" Man macht im Grunde einfach nur auf sich aufmerksam und beim Überholen hupt man einfach präventiv. Mein Fahrrad hat keine Klingel und somit bin ich eingentlich ein behinderter und nicht vollwertiger Verkehrsteilnehmer.
In Peking nicht so weit verbreitet, aber dafür so in Chengde gesehen.

Wo wir beim überholen sind: Das kann je nach Laune und Verkehrlage links, rechts, auf der Straße oder auf dem Standstreifen oder dem Radweg erfolgen. Niemanden interessierts. Das bezieht sich übrigens auch auf das allgemeine Fahren. Ich fahre z.B. regelmäßig auf der falschen Seite des Verkehrs bzw. im Gegenverkehr um einfach nicht die großen Ringstraßen überqueren zu müssen. Dabei kommt es schon mal zu brenzligen Situationen, doch im eingentlich ist es nicht gefährlicher als Fahrradfahren in Beijing an sich.

Ob das schon als überladen gilt? In Peking auf jeden Fall keine Seltenheit.

Als Fahrradfahrer steht man zwar über dem Fußgänger in der Verkehrshackordnung, doch Dreiräder und moterisierte Gefährte genießen immer noch mehr Respekt, ganz zu schweigen von den Bussen und Taxen, die irgendwie machen was sie wollen.
Ampeln sind so unwichtig wie Hupen wichtig sind. Niemand hält sich dran und Autos hupen einfach wenn sie durch die lästigen Fußgänger behindert über eine rote Ampel drüber fahren wollen. Das gleiche gilt für Zebrastreiben, die grundsätlich nur eine Überquerungsrahmen liefern, doch kein moterisierter Verkehrsteilnehmer käme auf die Idee von sich aus bei einem Zebrastreifen auf die Bremse zu steigen. Das kann nur durch eine Masse von Fahrrädern bzw. Fußgängern erzwungen werden. Man stellt sich einfach an eine Kreuzung oder Zebrastreifen und wartet so lange bis sich eine Gruppe von mehr als fünf Leuten gebildet hat. Dann kann man seine Überquerung (auch bei einer roten Ampel und im zweifelsfall auch bei einer grünen Ampel) erzwingen. Wichtig ist dabei nur möglichst einen Passanten oder Fahrradfahrer zwischen sich und dem anrasenden Verkehr als Pufferzone zu haben.

Auch das nicht wirklich selten.


Straßenüberquerung in Xi'an

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

1,3 Millarden Menschen wollen beschäftigt sein. Da sind die Chinesen auf die clevere Idee gekommen einfach Jobs zu schaffen, die eingentlich keiner braucht. Hier eine kleine, aber sicherlich unvollständige Auswahl:
- Typ, der im Carrefour am Rollband steht und den Einkaufswagen der Kunden vom Band zieht, egal ob das nötig ist oder nicht.
- Die Strich-auf-die-Eintrittskarte-mach-Servicekraft: und genau das tut sie/er auch. Sogar wenn später noch ein Abschnitt abgegeben werden muss.
- Diese Servicekraft wird natürlich noch von der Abschnitt-sortier-Servicekraft unterstüzt, die im Zweifel direkt neben der Strich-auf-der-Eintrittskarte-mach-Servicekraft steht.
- Die Bus-an-Haltestelle-Einweiser/in: Obwohl oftmals Schilder an den Bushaltestellen stehen, winkt diese Servicekraft den Bus an die Bushaltestelle heran und zeigt ihm wo er zu halten hat. Nicht das schon die Busnummern mit einem jeweiligen Haltestrich auf dem Asphlat geschrieben wären. Aber die Busfahrer könnten ja vergessen dort anzuhalten.
- Der Haarewascher ist beim Friseur tatsächlich nur für das Waschen der Haare zuständig. Und wenn keine Haare gewaschen werden müssen, langweilt er sich, denn fegen tut ein anderer. So hat da jeder seine Kernkompetenz.
- Busschaffner: Hier zahlt nicht wie in Deutschland beim Fahrer, sonder beim Schaffner (sagt man das so beim Bus) bzw. in den meisten Fällen bei der Schaffnerin. Die sagt auch beim Ausfallen der Lausprecheranlage die Stationen an und fungiert beim Abbiegen als Blinkerersatz bzw. schreit aus dem Fenster heraus mögliche Verkehrsteilnehmer an, die das Abbiegen behindern könnten.
- Schlangeneinweiser: Weisen einem vor allen bei Flughäfen und sonstigen Kontrollvorgängen die Schlange zu, wo möglichst wenig Wartezeit entsteht.
- Fahrradaufpasser: eher "Freiberufler", die vor Supermärkten auf die Fahrräder "aufpassen" (was auch immer das bedeutet) und im Weg stehende Fahrräder 10cm zu Seite räumen, obwohl man das auch ohne Probleme selbst schaffen könnte. Dafür berechnen sie dann zwischen 1 und 5 cent.
- Fahrkartenkontrolleure: Der erste kontrolliert wenn man auf die Bahnsteige will. Dann wird nochmal gecheckt bevor man sein Abteil betritt. Dann wird während der Fahrt kontrolliert ob man auch auf dem richtigen Platz sitzt. Und bevor man dann den Zielbahnhof verläßt wird man bei Verlassen nochmal überprüft. So ist Schwarzfahren im Grunde unmöglich und es wurden insgesamt viermal so viele Arbeitsplätze geschaffen.

Unterricht in China
Bin ja schon auf so einiges bei meiner Kursbeschreibung eingegangen. Mittlerweile haben sich die Teilnehmerzahlen an den Kursen auch gelichtet und man bekommt so von der Dynamik einen Eindruck. Prinzipiell zieht der laoshi (Lehrer) seinen Unterricht durch, egal was die Studenten so treiben. Da gibt es unterschiedlichste Aktivitäten, die es zwar auch in Deutschland gibt, doch eher in Massenveranaltungen im AudiMax als in einem Seminar von ca 20 Leuten:
- Computer spielen: vor allen bei den chinesischen Jungs sehr beliebt
- Chinesisch lernen: wer das macht, kann man sich denken, oder?
- einen anderen Unterricht vorbereiten: Wir lesen schon mal Paper, die wir für das Seminar in der nächsten Stunde brauchen.
- Zeitung lesen
- chatten
- vor allem bei unseren chinesischen Kommulitonen sehr beliebt: schlafen! Wir haben uns mal sagen lassen, dass das eine Bezeugung von Respekt ist, da angenommen wird, dass der jeweilige Student am Tag davor soviel gelernt und gearbeitet hat, dass er/sie jetzt schlafen muss. Die laoshi's stört es auf jeden Fall nicht und sie wecken auch niemanden auf.

Chinesische Studenten beim Schlafen

Hier noch ein paar kurze Begebenheiten:
- wenn man nicht verstanden wird, einfach das jeweilige Schriftzeichen auf die Hand mal um sich verständlich zu machen. Nur ein wenig schwer, wenn man die Schriftzeichen auch nicht kann...

- Immer wieder gern gesehen: Chinesen, die im Schlafanzug und nassen Haaren in den Supermarkt um die Ecke gehen. Vor allem auf dem Campus sehr beliebt- zu jeder Tages- und Nachtzeit... und zu jeder Jahreszeit. Vor allen Dingen jetzt eher ...bbbbrrrrrr...

- Der lange Fingernagel beim kleinen Finger. Ursprünglich ein Zeichen dafür, dass man nicht körperlich arbeiten muss. Ich habs jetzt schon häufig bei Taxifahrern und Servicepersonal gesehen. Aber auch Studenten/innen wurden schon damit besichtigt. Für mich ist das estethisch nicht mal schön, aber wenn die meinen...

- Matt und Julian haben regelmäßig Probleme mit den Pedalen ihrer Fahrräder. Anstatt das Ding professionell wieder anzuschrauben, nehmen die "Fahrradmann" (eine andere Bezeichnung fällt mir nicht ein, denn bei den Läden kann man vom Fahrrad aufpumpen bis Rad Wechseln alles machen) einen Hammer und hauen einfach mal drauf los. Das hält für 1-2 Tage und dann geht das ganze Spiel wieder von vorne los.

- Rülpsen: überall akzeptiert, angefangen im Restaurant bis zur Vorlesung und auch bei der Eröffnungsveranstaltung eine Wirstschaftskonferenz überhaupt kein Problem. Die einzigen die sich dabei umschauen, wer es gemacht hat, sind wir ignoranten Westler.

- Mais- oder Erbseneis. Benötigt keinen weiteren Kommentar!

- Handschlag: Fühlt sich meist so an, wie der leblose Schwanz einer Schlange. Ich hab immer Angst, dass ich ihnen was zerquetsche...

- Hello Kitty oder sonst was kitschig, bunt/pink oder zumindest mit Strasssteinchen und Blumenverzierungen versehen ist. Diese Kombination findet man vorrangig bei Frauen und dort meistens an beliebigen Kleidungsstücken wie Hose, Pulli, Jacke, Rucksack oder an der Lunchbox. Eher kitschig als süß!!!

Hier mal ein Beispiel. Shiyang trägt einen Pulli mit Fußspuren und an der Hose lassen sich bei genauerer Betrachtung eine florale Muster erkennen.

- Warmes Wasser bei jegweiligen Problemen. Sei es Durchfall, Müdigkeit, Erkältung, Schlaflosigkeit, Kater... Warmes Wasser ist im Grunde Allheilmittel. Daher verwundert es auch nicht, dass 90 Prozent der Chinesen mit einer kleinen Thermoskanne herumlaufen, in der sie warmes Wasser transportieren, dass sie vorher aus den reichlich vorhandenen Warmwasserspendern gezapft haben. Die gibts in der Uni, im Zug, im Restaurant und ab und zu auch in Geschäften.

- Bei Taxifahrern sollte man meinen, dass sie sich auskennen. Weit gefehlt! Uns ist es schon öfter mal ergangen, dass wir einem Taxifahrer ein Ziel genannt oder gezeigt haben und er uns willig in sein Taxi hat einsteigen lassen. Nach gut 30 Sekunden Fahrt zückt er dann sein Handy und ruft irgendwo an und wir verstehen aus den Satzfetzen im Grunde nur, dass er nachfragt wo das genannte Ziel sei? Da fühlt man sich doch gleich sehr aufgehobener und sicherer.

- Bei jeder U-Bahnstation wird das Gepäck gescannt und sei es nur eine Handtasche. Ich dachte, die Amis wären schon paranoid, doch hier ist das noch eine Nummer schlimmer.

- Wenn man einen Joghurt kauft, wird der Löffel immer mitgeliefert. Die Produzenten gehen wohl davon aus, dass der gemeine Chinese keinen Löffel besitzt und den Joghurt nicht mit den Stäbchen essen will. Ich sage: Wer eine Suppe mit Stäbchen essen kann, kann auch Joghurt mit Stäbchen essen!

Sonntag, 9. November 2008

Durchgeknetet

Toll toll toll...
Nach einer durchzechten Nacht gestern (wobei ich mir dabei noch überlegen muss, ob ich hier darüber etwas schreiben werde), hat mich Julian davon überzeugt mit ihm mal zu einem Massageladen zu gehen. Und in meinem Zustand war das genau das richtige! Für 60 Yuan kann man sich durchaus mal eine Stunde durchkneten lassen. Hier werden Massagen oft von "Blind Professionals" durchgeführt. Ich bin mir nicht sicher ob das eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Blinde ist, oder ob die besondere Fähigkeiten haben... auf jeden Fall hat mich auch ein Halbblinder durchmassiert. Oh Mann... der hat so viele verspannte Stellen gefunden... und überall hat er drauf gedrückt. Und am Ende hat er mich sogar verbogen und einige Wirbel sind unter lautem Knacken wieder in ihre ursprüngliche Position zurückgesprungen. Zwar war das ganze nicht entspannend, da man doch des öfteren mal Schmerzen beim Massieren/Kneten/Drücken/Klopfen bekommen hat, doch trotzdem würde ich mich sofort wieder auf so eine Massagebank legen.

Dienstag, 4. November 2008

Life in Beijing

Natürlich bin ich nicht immer nur auf großer Reise in China unterwegs. Auch die kleinen Dinge des Lebens beschäftigen mich und die werden durch kleine Events in Beijing aufgewertet.

Verbotene Stadt
So wie z.B. der Besuch von Muriel aus Shanghai. Sie hatte ich bei unserem Karaokeabend dort kennen gelernt und da sie am Wochenende drauf in Beijing vorbei schauen wollte, machten wir aus, irgendetwas zusammen zu unternehmen. Daraus wurde dann mein Tag in der Verbotenen Stadt, der ehemaligen Kaiserresidenz mitten im Herzen Beijings. Wiedereinmal mussten wir uns durch Unmengen von chinesischen Touristengruppen drängeln und vor den einzelnen Gebäuden regelrecht darum kämpfen ein Foto machen zu können. Da verstehen die Chinesen keinen Spaß und man bekommt öfter als man einen Ellenbogen ab. Ich bin ja glücklicherweise bis zu drei Köpfe größer als alle Chinesen, daher habe ich mich dann ab einen bestimmten Zeitpunkt darauf beschränkt einfach über sämtliche Köpfe hinweg meine Fotos zu schiessen. Vorm Eingang wurde ich von isgesamt drei verschiedenen chinesischen Gruppen angesprochen worden, die angeblich ihr Englisch verbessern wollten und selbst auch nur zu Besuch in Beijing gewesen sein wollen. Doch nachdem solche Leute uns in Shanghai irgendwelche Tickets angeboten haben bzw. uns ihren Service als Reiseführer vermitteln wollten, bin ich bei solchen Sachen vorsichtig geworden. Ich hatte glücklicherweise eine Ausrede, unseren Statistikkurs am Abend. Vor allen Dingen ein Mädel wollte hat mich penetrant gefragt ob ich nicht nur eben für 10min in ein benachbartes Vierel mit ihnen gehen wollte... Was soll ich denn da für 10min. Die wollte mir bestimmt irgendetwas verkaufen... oder sie hätte mir meine Organe gestohlen, wer weiß das schon....

Vor der Verbotenen Stadt hängt ein großes Portrait von Mao, dem Übervater der Chinesen.

Leider war es an diesem Tag ein wenig diesig bzw. smogy... who knows...

Muriel und ich.


Nicht überall war der Palast noch ganz in Schuss...
Da kann man echt nur mit dem Kof schütteln... Mit solchen Menschenmengen musst ich immer kämpfen um ein paar Fotos schiessen zu können.


Great Wall Walk: Jinshangling to Simatai
Weil es uns so gut gefallen hat, unternahmen wir einen dritten Trip zur Mauer. Somit waren ich innhalb von 10 Tagen dreimal dort- natürlich jedes Mal an einem anderen Teilstück. Diesmal gings schon früh morgens um 6.30Uhr los, und zwar nach Jinshangling. Von dort aus kann man dann ca. 10km auf der noch recht orginalen Mauer hiken. So schleppten wir uns dann ca. 5h über Berge und Hügel. Erst noch mit recht miesen Wetter, was die ganze Aktion für mich in Frage stellte. Doch gegen Nachmittag verzog sich der Nebel/Smog/Was-Auch-Immer und die Sonne sorgte nicht nur für angenehme Spaziergangstemperaturen, sondern auch für phänomenale Sicht auf der Verlauf der Mauer. Dem konnte man dann tatsächlich über Kilometer lang folgen und so die architektonische Meisterleistung der Bauherren würdigen. Mir bleibt es auf jeden Fall wegen der Anstrengung (wann läuft man schon mal zig Kilometer über ich weiß nicht wieviele Berge) und traumhaften Perspektiven in Erinnerung. Außerdem war es von den drei Stücken Mauer bis jetzt das schönste und die orginalste Erfahrung! Zu unserer deutschen Gruppe ist nun auch Jan dazu gestoßen. Er kommt aus Regensburg und forscht hier über zwei Monate lang wegen seiner Diplomarbeit. Witzigerweise hat er mit Stefan, den ich während meines Erasmusjahres in Alcalá kennen gelernt habe, Abitur gemacht. Die Welt ist schon ein Dorf. Da hätte ich ja auch in Lünten bleiben können ;)
Erst noch ein wenig bewölkt und diesig...

Findet den Markus.

Nicht immer haben wir den einfachsten Weg genommen. Hier braucht Lena einen helfende Hand von Julian, da der Abstieg von einem der Türme doch etwas schwieriger war.

Da schlängelt sich die Mauer von mir ausgehend erst den Berg hinunter und dann wieder hinauf um dann entlang der Bergkuppe am Horizont zu verschwinden.

Hier sind die Sträucher schon in allen Farben verfäbt. So hätte es auch im Xiangshan aussehen sollen (s.u.)

Bei Hai Park
Was macht man mit einem freien Nachmittag in Beijing. Wenn man clever ist und gerade nichts zu tun hat, setzt man sich am besten in den nächsten Bus und düst in die Innenstadt. So geschehen als wir uns mit ein paar Leuten überlegten mal in einen bekannten Pekinger Park zu gehen um dort zu chillen: Der Bei Hai Park. So weit, so gut. Als wir dort jedoch ankamen, mussten wir feststellen, dass der Bei Hai Park kein Park im westlichen Sinne ist. Zwar war alles ganz nett und schön anzusehen, doch die erhofften Grünflächen zum Relaxen fehlten. Außdem mussten wir erstmal ein Boot nehmen, um zu dem wirklich interessanten Teil des Parks vorzustoßen: Einer Insel. Auf dieser Insel gab es allerhand Gebäude, Tempel, Pavillions und Pagoden, doch erfüllte das alles nicht unsere Kriterien für einen Nachmittag im Park. Nach ein wenig ziellosem Umhergeirre, belegten wir schliesslich einen kleinen Pavillion, wovon man eine schöne Aussicht über den See hatte und einen kleinen Blick über die Stadt erhaschen konnte.
Lena genießt die Sonne und das Eis.

Hier siehts mal so aus als wäre keiner da... leider völliger Schwachsinn, ich konnte einfach mal den richtigen Moment fürs Foto abwarten. Schon eine Sekunde später liefen schon wieder zig Leute durchs Bild.

So relaxt man in einem chinesischen Park.



Karaoke mit class mates
Unsere Klassenkameraden hatten uns gefragt, ob wir nicht Lust hätten mit ihnen mal Karaoke singen zu gehen. Begeistert sagten wir zu, denn wir hatten gehört, dass bei solchen Geschichten die Chinesen endlich mal ein wenig aus sich raus kommen und sich das ganze zu einem wilden Abend entwickeln könnte. Abgesehen davon erfhofften wir uns einen besseren Kontakt zu unseren "fellow students" zu entwickeln. Als wir dann den Termin bekamen, brach bei uns allen Ratlosigkeit aus. Das Karaoke war für 13Uhr Nachmittag angesetzt- an einem Sonntag. Nicht nur zerstückelte uns diese ganze Aktion einen unserer wenigen freien Tage, doch warum zur Hölle will man an einem Sonntag Nachmittag Karaoke singen? Der Plan die guten Chinesen mit ein wenig Bier abzufüllen und umgänglicher zu machen fiel so erstmal ins Wasser.
Zusätzlich tauchte gerade mal die Hälfte unseres Kurses auf. Danach kam ich mir vor wie in einem Mix aus Rassen- und Geschlechtertrennung. Die chinesischen Mädels stürzten sich direkt auf die Musikmaschine, um sich unter lautem Gekicher und Rumgehüpfe ihre Lieder auszusuchen und blieben auch dort sitzen. Die paar Kerle, die auftauchten, setzten sich desinteressiert in die gegenüberliegende Ecke, schoben ein paar Stühle zusammen und holten dann ihre Karten raus. Leicht irritiert saßen wir Internationalen in der Mitte und wussten gar nicht welche Ausrede am besten passen würde, um hier so schnell wie möglich wieder raus zu kommen... Auch ein paar Kontaktversuche waren nicht wirklich fruchtbar.
Als dann noch das Gesinge losging, wurde uns ganz anders! Selbstverständlich legten die Chinesen nur chinesische Lieder auf. Das war ja auch nicht weiter schlimm. Doch als wir dann endlich mal ein paar Lieder aussuchen durften, nachdem die ganze Truppe über einen langen Zeitraum ein überwiegendes Desinteresse an unserem Schicksal/Wohlergehen gezeigt hatte, wurden viele unserer Lieder einfach übersprungen. Und schwupps, da sangen schon wieder eine Herde volle Chinesinnen irgendein Herzschmerzgejammer. Wir wussten nicht wie wir mit dieser Situation umgehen sollten. Sollten wir sie konfrontieren und damit Gefahr laufen, sie für immer zu vergräzen? Oder sollten wir uns auch einfach mal an der Musikmaschine zu schaffen machen und die ganze Show boykottieren?! Leztendlich entschieden Bartek sich für die harmloseste Variante und bestellte ein Fäßchen Bier. So wurden unsere Nerven entspannter, die chinesische Musik erträglicher und die ganze Situation irgendwie witzig. Nichtdestotrotz waren wir von dem Verhalten der Chinesen wenig begeistert. Um möglichst unauffällig die Sache aufzulösen, verabschiedete sich unsere Truppe schrittweise über einen Zeitraum von ca. 1h. Wir wollten ihnen mit unserem vorgezogenen Verschwinden ja schliesslich nicht zu sehr vor den Kopf stoßen.

Xiangshan
Im Herbst verfärben sich die Blätter. Das weiß ja jeder. Aber hier in Peking gibt es einen Park, bei dem die Bäume sich so schön verfärben, dass es eine Touristenmagnet geworden ist. "Das müssen wir mitnehmen", dachten wir uns und machten uns auf den langen Weg zum Xiangschan Park. Lang war die Anreise deswegen, weil wir mit dem Bus über eine Stunde brauchten. In Deutschland würde mich jeder für verrückt erklären, wenn ich von Paderborn nach Bielefeld fahre, nur um dort in einen Park zu gehen. Aber hier werden Entfernungen ganz anderes gemessen. Sogar wenn ein Heimatdorf eines Chinesesen noch 4h von Peking entfernt liegt, ist es ganz nah. Häufig hört man auch sowas wie "ein bißchen weit" oder "vielleicht weit"... dann weiß bei Wegbeschreibungen schon, dass man sich am besten den ganzen Nachmittag dafür Zeit nehmen sollte.
Wie auch immer, wir landeten also in dem Park, der - wie es sich für eine chinesische Sehenswürdigkeit gehört - mit Menschen überlaufen war. Getoppt wurde es dann damit, dass sich diese dummen Blätter noch nicht verfärbt hatten und die eigentliche Sehenswürdigkeit noch gar nicht existierte. Trotzdem entschlossen wir uns den Park mal ein wenig näher unter die Lupe zu nehmen und erklommen einen Hügel. Wieder einmal stellten sich die Menschenmengen als Problem dar, denn wenn ein riesiger Strom an Chinesen den Berg ohne Rücksicht auf Verluste heruntersürmt, gestaltet sich der eingene Aufstieg entgegen dem Strom etwas schwieriger. Auch die von Shiyang eingeschlagenen Umwege machten die Sache nicht wirklich besser. Zwar entgingen wir manchmal den Menschentrauben, doch dabei machten wir die zweifelhafte Bekanntschaft mit niedergetretenen Absperrungszäunen (die wir dann natürlich auch überstiegen), übelststeilen Anstiegen (da ich mich auf einen Park und nicht auf eine Bergbesteigung eingestellt hatte, war ich dementsprechend mit unpassendem Schuhwerk unterwegs) und der einen oder anderen Orientierungslosigkeit. Immerhin wurden wir letztendlich mit einem smogfreien Blick auf Beijing entlohnt, der einem einen Eindruck über die wahnsinnige Größe der Stadt verschaffte.
Das war das nächste was an brauenen Blättern zu finden war.

...mit Sicht auf die Stadt.